• Hiking Aina

Am Kerryway - Von Glencar nach Caherdaniel

Gemeinsam wandern wir weiter Richtung Glenbeigh, das Wetter ist wie immer windig und kalt, die Sonne versteckt sich hinter dichten Wolken. Zuerst auf Asphalt, aber dann gehts wieder in die Hügel und schon bald stehen wir am Aufstieg zur WindyGap. Die hat sich den Namen auch redlich verdient. Der Wind bläst stark durch den schmalen Einschnitt im Fels, was nicht festgebunden ist, fliegt weg. Endlich seh ich wieder das Meer. Zuletzt in Dublin, jetzt gut drei Wochen später bin ich glücklich und geniesse die Rastbank mit Ausblick auf Glenbeigh und Dingle. Eine Stunde später sitz ich in meinem B&B mit ein paar älteren Herren in der Sonne beim Plaudern und Tee trinken.




Wir entscheiden in der Früh die Variante am Meer entlang zu gehen, aber die dauert nicht lange und wir sind wieder am Trail. Über uns eine dicke, graue Wolkendecke, die jedoch von Zeit zu Zeit aufreisst und blauen Himmel durchscheinen lässt. Vielleicht wirds ja doch irgendwann mal besser mit dem Wetter. Nach einer Rast, bei der ich den ersten Liter Tee verschütte, gehts zurück ins Landesinnere und nach einiger Zeit treffen wir auf eine schmale Strasse, wieder mal ein "green Tunnel"ohne Aussicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit biegen wir aber aber, durchqueren eine Kuhweide und erreichen den das Community Center von Foilmore und ich bin erleichtert. Hier werden A. und ich nämlich vom Host meiner AirBNB Buchung abgeholt. Ich hab wieder mal das goldene Händchen gehabt, eine tolle Unterkunft, mit superfreundlichen Besitzern. Nach dem gemeinsam Abendessen haben wirs uns am Kamin gemütlich gemacht und ordentlich aufgewärmt. Die Nacht ist weniger gut, ich schlafe extrem schlecht und bin deswegen in der Früh total müde.


Beim Aufbruch am Morgen, weiss ich noch nicht, dass dieser Tag mein härtester am Kerry wird. Wir werden wieder am Community Center abgesetzt und es geht gleich richtig anstrengend los. Nach gut einer Stunde treffen wir S. und P., die von Caherciveen aufgebrochen sind. Der Himmel ist grau und wirkt bedrohlich, der Wind ist eisigkalt und der Weg nimmt darauf gar keine Rücksicht. Schlammig und nass, da machen Pausen auch keinen Spass, darum laufen wir durch bis Mastergeehy und setzen uns dann neben die Strasse. Ich koche heissen Tee und wir schätzen, dass wir noch ca. 5km bis Waterville vor uns haben. Die hattens dann aber in sich. Wir folgen dem Trail auf einen Hügelrücken und dem Rücken dann weiter. Sturmböen und immer wieder Regen laugen mich aus, der von Kühen zertretene Boden hilft tüchtig mit. Obwohl das Panorama ein Traum ist, geniess ich es nicht, ich will nur mehr den Rucksack abstellen und aus den Boots raus :D Kurz vor 18 erreichen wir dann endlich das Waterville Hotel und der gemütliche Abend kann beginnen.


Am Morgen schau ich mir die Karte an und beschliesse das die Etappe nach Caherdaniel meine letzte am Kerryweg ist, da danach sehr viel Strasse zu wandern ist und ich eigentlich das schönste des Trails gesehen hab.

Wir starten wieder am Meer, vorbei am Golfplatz dann sanft bergauf bis zum höchsten Punkt, den ein Wedge Tomb schmückt. Ausserdem sehe ich hier erstmal Beara, dem letzten Teil meiner Coast2Coast Wanderung. Bergab gehts Richtung Küste und als wir uns entscheiden können, wählen wir den Weg entlang der Küste. Gute Wahl! Bei einer Rast werden wir aber schnell von midges verjagt, die Biester beissen ja unangenehm, aua. Während wir dem schmalen Küstenpfad folgen, verziehen sich die Wolken und so erreichen wir Keatings Bar und den Derrynane Beach bei blauem Himmel. Weisser Sand und eine wunderschöne Bucht laden zum Baden ein, die Wassertemperatur und der Wind lassen mich auf diesen Genuss verzichten. Vorbei an einem Ogham Stone erreichen wir Caherdaniel. Beim Abendessen teile ich meinen neuen Freunden mit, dass das unser letzter gemeinsamer Tag am Kerry war und ich morgen mit einem Taxi nach Kenmare weiterreise um am Bearatrail mein Abenteuer abzuschliessen.

Der Abschied fällt mir schwer und ich vergiesse einige Tränen, da ich mich schon sehr an die Gesellschaft gewöhnt habe. Manche Menschen können einem sehr schnell ans Herz wachsen, vor allem wenn man gemeinsam Abenteuer erlebt.


Der Bus bringt mich am Morgen nach Kenmare und ich nehme mir ein Zimmer. Zwei Tage verbring ich hier um mich wieder dann wieder auf den Weg zu machen.




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